Mittwoch, 13. September 2017

Wer definiert uns?


Manchmal frage ich mich, wer oder was uns definiert und eigentlich müsste die Antwort lauten: Wir definieren uns selbst. Doch leider ist das nicht immer so einfach, obwohl es unser menschliches Recht ist. Oftmals soll man sich selbst beschreiben oder seine Stärken und Schwächen auflisten, was einen dann erstmal ins Grübeln versetzt. Diese ganzen Fragen: Wer bin ich, was macht mich aus oder was will ich, sind meistens nicht leicht zu beantworten, auch wenn wir uns nach einigen Jahren schon gut kennen sollten. Jedoch fühlt man sich gelegentlich in dieser Welt mit den vielen Möglichkeiten, Leistungsansprüchen und eigenen Wünschen verloren. Hinzu kommen die Vergleiche mit anderen Menschen, die man entweder selbst herstellt oder die einem durch soziale Medien etc. vor Augen geführt und im Unterbewusstsein gespeichert werden.
Das beweist, dass uns die Gesellschaft unser Recht uns selbst zu definieren, sehr oft abnimmt, weil wir es uns gefallen lassen und mit der Masse schwimmen wollen. Möglicherweise merken wir auch manchmal nicht, wie sehr uns andere schon definieren oder wir uns über sie definieren. Zunächst spielt da die Erziehung und das persönliche Umfeld eine Rolle. Wenn jemand nämlich vorgelebt bekommt, in welche Rolle er schlüpfen soll, wird er sich, vor allem in seinen jungen Jahren erstmal daran orientieren, bevor er sein eigenes Ich finden wird. Das heißt aber nicht, dass er sich sein Leben lang nicht verändern wird, denn das tun wir alle. Jedoch werden höchstwahrscheinlich einige Leitsätze einer strengen Erziehung einem immer im Kopf bleiben. Das bedeutet, wenn ein Mensch zum Beispiel nach den früher traditionellen Rollenbildern erzogen wird, also dass die Frau sich um den Haushalt und die Erziehung der Kinder kümmert und der Mann das Geld verdient, so wird dieser Mensch eher jemanden verurteilen, der nicht nach diesem Konzept lebt, einfach, weil das für ihn unnormal ist. Heutzutage haben sich diese Rollenbilder zum Glück etwas gewandelt, das heißt aber nicht, dass sie nicht mehr existieren. So kann es nun mal vorkommen, dass eine emanzipierte Frau gefragt wird, warum sie arbeitet, anstatt sich von einem Mann ernähren zu lassen. Daraufhin sollte die Frau ganz klar ihren Standpunkt vertreten, da sie ihr Leben von niemand anderem definieren lassen sollte, als von sich selbst.
Ein weiteres Beispiel ist der Schönheitswahn, den es vermutlich schon immer gab und welchen es wahrscheinlich immer geben wird. Durch ihn werden Menschen ebenfalls verurteilt, wenn sie den bestimmten Schönheitsidealen nicht entsprechen. Der Körper wird nur noch als Projektionsfläche gesehen, welche es ständig zu verbessern gilt, sei es durch Sport, hungern oder Schönheits-OPs. Wenn dieser Schönheitswahn ausartet, ist den meisten Menschen bewusst, dass das krank ist. Leider aber auch nicht allen, weil sie von dem Gesellschaftsdruck, den sie sich machen oder der auf ihnen lastet, zu sehr gefesselt sind. Es ist, vor allem auch durch die sozialen Medien so leicht geworden, sich anzupassen. Man bekommt vorgelebt, was „cool“ ist, wie man sich zu verhalten hat und was man tragen soll. Außerdem gibt es im Internet zahlreiche Tipps, um noch fitter, schöner und beliebter zu werden. Ein Glück sind nicht alle Menschen so oberflächlich und hinterfragen die Gesellschaft, die so perfekt erscheint, obwohl sie es eigentlich gar nicht ist. Aus diesen Gründen haben sich auch einige Menschen von den sozialen Netzwerken abgewendet, weil sie dadurch so sehr unter Druck gesetzt wurden, sodass ihr Selbstwertgefühl im Keller war.
Es war schon immer schwer und wird vermutlich immer so schwer bleiben, dass uns die Gesellschaft definieren will. Das liegt nämlich daran, dass jede Gesellschaft verschiedene Norme und Regeln hat, an die sich jeder halten sollte. Diese Werte und Ideale entwickeln sich mit der Zeit immer weiter, was dazu führt, dass sich die Menschen zwar verändern werden, sich aber trotzdem auch an dem was die Gesellschaft will, weiter orientieren werden. Meiner Meinung nach wird das einfach immer so sein. Nun sollten wir uns in unserer Generation, die so vielfältig geworden ist uns endlich trauen, uns selbst zu definieren und uns nicht von anderen Menschen oder sozialen Medien definieren zu lassen. Das ist doch das, was uns Menschen ausmacht, unsere Art anders zu sein. Wenn jeder gleich wäre, wäre es doch so langweilig. Doch zuallererst sollten wir uns bewusst sein, wer wir sind. Wie können wir das herausfinden? Am Besten beobachtet man sich selbst, auch wenn sich das gruselig anhört. Man fragt sich, was einem Spaß macht und was einen eher traurig macht. Ich denke, das schafft jeder. Mit der Zeit können wir versuchen unser Verhalten zu analysieren und uns möglicherweise auch fragen, wieso wir uns in bestimmten Situationen oder gegenüber bestimmten Menschen anders verhalten, als in anderen Situationen. Wenn wir nun einigermaßen wissen wer wir sind und was uns bewegt, sollten wir versuchen uns zu akzeptieren, auch wenn das in einer Gesellschaft, die einen ständigen Druck auf uns ausübt, nicht immer leicht ist. Doch wenn man gefragt werden sollte, wieso man sich anders verhält, als andere Menschen oder anders aussieht, als es dem Schönheitsideal entspricht, sollte man niemals gekränkt sein und sich selbst nicht hinterfragen. Denn nur wir haben das Recht uns selbst zu definieren und niemand anderes sonst. Trotz alledem bin ich froh, dass wir- abgesehen von den vielen Oberflächlichkeiten- in einer weiterentwickelten Welt leben, in der es immer mehr Toleranz und Offenheit für die Andersartigkeit, die wir Menschen in Fülle zu bieten haben, gibt. Ich finde, wir sollten diese Einstellung, dass es interessant und nicht komisch ist, anders zu sein, den anderen Menschen übermitteln, anstatt sich für ungewöhnliche Eigenarten zu verstecken. Was denkt ihr darüber?